110 Kinder erforschen christliche Werte an der KatHO

Paderborn.  „Warum darf ich mir eigentlich diese schöne Tasche nicht nehmen,“ fragt Prof. Dr. Elisabeth Jünemann im großen Hörsaal der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Paderborn. „Nur weil sie mir nicht gehört?“ Ihre Zuhörer sind deutlich jünger als ihre anderen Studenten, dafür aber voll bei der Sache. Auf Einladung des Fachbereichs Sozialwesen dürfen die 110 Schulkinder aus der 3. und 4. Klasse einen ganzen Vormittag lang die Frage „Was ist eigentlich sozial?“ erforschen.

Kindgerecht erklärt die Dozentin für Sozialethik, den „KatHO-Kids“ wieso es Regeln im Zusammenleben gibt und was die christlichen zehn Gebote heute bedeuten. Die Frage, warum der Sonntag etwas Besonderes ist, beantworten die Kinder selbst: „Weil ich dann mit meinem Vater schwimmen gehe.“ „Weil wir ausschlafen können und zusammen frühstücken.“ Der Sonntag sei also ein wichtiger Tag, an dem man mal andere Sachen machen könne als sonst, bringt Jünemann es auf den Punkt. „Und so enthalten auch die anderen Gebote wichtige Regeln für unser Zusammenleben.“

Im großen Hörsaal wird die Geduld der Kinder nur kurz auf die Probe gestellt. Aufgeteilt in zehn Gruppen sollen sie unter der Anleitung von drei Studentinnen jeweils ein Gebot spielerisch erforschen. Auf die Herausforderung, über hundert Grundschüler in Gruppen einzuteilen, hat sich das Projektteam bestens vorbereitet.

In einer Viertelstunde sind „Studentenausweise“ verteilt, Gruppen sortiert und die Kinder in die vorbereiteten Arbeitsräume geführt. Karin Eickelmann, Friederike Schulte und Simone Ramrath wollen ihren Schützlingen das 9. Gebot „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut“ näher bringen. Dass dieses Gebot heute auch heißt, dass man miteinander auskommen und füreinander einstehen muss, sollen die Kinder mit Spielen aus der Erlebnispädagogik selbst entdecken.

Es geht los mit dem Eisschollenspiel, bei dem alle Kinder eine Meerenge überqueren müssen. Hier versuchen die Mädchen schon nach kurzer Zeit, die Aufgabe gemeinsam zu lösen. Auron geht das zu langsam. Er mag es spannend und möchte es lieber alleine schaffen. Als sich dann nach und nach die anderen Jungs an der erfolgversprechenden Zusammenarbeit der Mädchen beteiligen und auch er schließlich mitmacht, ist die Überquerung bald geschafft. Stolz diskutieren die Kinder mit ihren Betreuerinnen über den gemeinsamen Erfolg.

Währenddessen werden die Lehrerinnen von Jünemann ausführlich über das Projekt informiert. „Wir wollen hier einen neuen Weg beschreiten und Kindern anhand der christlichen Gebote eine soziale Orientierung geben.“ Die Grundschullehrerinnen sind begeistert. „Diese tolle Veranstaltung ist ein Juwel in unserem Schulalltag“, sagt Christiane Spellerberg von der Paderborner Marienschule. „Hier können sich die Kinder einmal völlig anders zeigen als in der Schule.“ Bei Marika Neuwöhner von der Georg-Grundschule am Westfriedhof passte die Aktion gerade ideal in ein Projekt zur Gewaltprävention.

„Auch Anne Borghoff, die mit ihrer Klasse von der Bischoff-von-Kettler-Schule in Thüle gekommen ist, lobt das Projekt. „Das ist bis ins Detail liebevoll und professionell vorbereitet.“ Sie alle wünschen sich eine Fortsetzung. Die soll es auch geben, denn schließlich haben Jünemann, 20 Studierende, viele Hochschulmitarbeiter und Ute Herrmann vom Christlich Sozialen Werk Dresden rund ein Jahr an der Vorbereitung des Projekts gearbeitet. Nach der überaus positiven Resonanz ist im kommen Jahr eine Wiederholung des Hochschul-Vormittags geplant. Bis dahin bieten eine kindgerechte Internet-Seite und ein pädagogisches Forum für Lehrkräfte Gelegenheit zu Austausch und Information. www.katho-kids.de

Foto: Kindgerecht erklärt Prof. Dr. Elisabeth Jünemann den kleinen „Studenten“ im großen Hörsaal der Katholischen Hochschule, warum es Regeln für das Zusammenleben gibt.

sara.klinke