Unser Institut

DekaCert wurde im Jahr 2006 von Prof. Dr. Elisabeth Jünemann als wissenschaftliches Institut für die Entwicklung und Implementierung theologisch-organisationsethischer Kriterien gegründet. Den Anstoß für die Institutsgründung gaben Forschungsergebnisse, die seit Jahren darauf hinweisen, dass Organisationen der Wirtschaft sowie des Sozialen Bereiches eine Werteorientierung brauchen und suchen.
Um welche Werte kann es gehen? Und wie können Werte in die Organisation implementiert werden?

Anfragen von Sozialen Organisationen und Wirtschaftsunternehmen haben uns veranlasst, ein Beratungs-, Schulungs- und Zertifizierungsangebot zu entwickeln, das die einzelne Organisation mit ihren spezifischen Bedürfnissen, Möglichkeiten und Zielen bei der Implementierung ethischer Kriterien nach dem Dekalog unterstützt. Mit welchem Angebot wir konkret an die einzelne Organisation herantreten, hängt davon ab, an welchem Punkt Ihre Organisation gerade steht.

Unser Organisationsmodell

Unsere Arbeit gründet auf interdisziplinärer Forschung. Wir arbeiten ständig an der Weiterentwicklung unserer organisationsethischen Ansatzes. Die Ergebnisse publizieren wir regelmäßig.

Unser Beratungskonzept unterstützt die organisationsspezifische Umsetzung der Dekalog-Kriterien. Wir verwenden dabei u.a. eine an das Balanced Scorecard-Konzept angelehnte Struktur, die die Umsetzung an den 4 Perspektiven orientiert:
- Organisationssinn
- Produkt/ Dienstleistung
- Prozess/ Verfahren
- Entwicklung
Unternehmen oder Soziale Organisationen, die sich ethisch orientieren, brauchen Personen, die diesen Prozess tragen. Organisationen brauchen Mitarbeiter mit ethischer Kompetenz. Ein wichtiger Abschnitt auf dem Weg zum Erfolg ist deshalb die Schulung der Mitarbeiter, insbesondere der Führungskräfte.
Die Umsetzung der Dekalog-Kriterien in der Organisation zertifizieren wir auf Basis eines eigens entwickelten Bewertungssystems. Die Vergabe des Zertifikats kann ggf. an Auflagen geknüpft sein, die zeitnah erfüllt werden müssen und dann nochmalig überprüft werden. Die Bewertung wird durch ein hoch qualifiziertes multiprofessionelles Team durchgeführt. Zu unseren Auditoren gehören neben Theologen, Ökonomen und Organisationsberatern immer auch Wissenschaftler und Praktiker aus den organisationsspezifischen Kompetenzbereichen.

Ethische Orientierung

Nur die Organisation, die auf eine verlässliche Vorstellung von gültigen Werten verweisen kann und davon, wie diese Werte wirksam werden können, kann eine Vertrauenskultur aufbauen. Eine Organisationskultur, die auf Vertrauen baut, ist in der heutigen multioptionalen Gesellschaft notwendiger denn je. Je vielfältiger die Optionen, desto größer die Freiheit. Aber je größer die Freiheit, desto größer auch das Risiko, sie wieder zu verlieren. Die zahlreichen Krisen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Wirtschaft zeugen davon.

Ein Management, das über moralische Kompetenz verfügt, über orientierende Vorstellungen, was der Mensch zum guten Leben unter gerechten Bedingungen braucht und wie die zu konkretisieren wären, grenzt dieses Risiko jedoch ein.

Ein solches Risikomanagement durch Moral betreiben seit Jahren die Unternehmen, die auf „Compliance“ setzen. Sie verpflichten sich, ein System einzurichten, das gewährleistet, dass sich alle am Unternehmen Beteiligten an festgelegte Rahmenbedingungen halten („to comply“ = befolgen, erfüllen). Man legt Leitbilder, Standesregeln oder Verhaltenskodizes („Codes of Conduct“) fest und kommuniziert sie. Man kommuniziert Werte: „Diese Werte sind uns wichtig.“ Das tatsächliche Orientieren an diesen Werten können Kunden, Mitarbeiter oder Aktionäre nicht vor Gericht einklagen können. Aber dort, wo Organisationen sich an die kommunizierten Werte nicht halten, bieten sie freiwillig Ansatzpunkte für massive Kritik. Intern und extern.

Diese Unternehmen, Einrichtungen, Häuser geben auf die Frage nach dem, was für den Menschen gut ist und ihm gerecht wird, eine eindeutige Antwort. Im allgemeinen Reden von Werten, von Normen und von dem richtigen Verhalten, im allgemeinen Diskurs der verschiedenen Moralen, sprechen sie von gültigen Kriterien für eine verlässliche und verbindliche ethische Entscheidung. Sie halten ein Programm vor, nach dem verbindlich das eine als „gut“ und „gerecht“ geachtet, das andere als „böse“ oder „ungerecht“ missachtet wird.

An jedem Ort, an dem viele Kulturen, Religionen, Generationen, Berufe zusammenkommen, gibt es viele Programme, unterschiedliche moralische Programme. Zunächst nebeneinander (er denkt so, sie so…), aber spätestens dann, wenn die verschiedenen, miteinander konkurrierenden Moralvorstellungen in einer konkreten Situation aufeinander treffen, treten Moralen und Moralprogramme gegeneinander an. Moral braucht kritische Reflexion und Personen, die dafür stehen, dass die stattfindet. Personen, die die basalen Entscheidungen treffen – auch die für ein Moralprogramm.

Darum geht es. Um die Orientierung an Moral als einem bestimmten System von Werten und den entsprechenden strukturellen und habituellen Konsequenzen. Um eine begründete Antwort auf die Fragen der Mitarbeiter aller Entscheidungsebenen genauso wie auf die Fragen der Kunden oder der Geschäftspartner nach dem Guten und Gerechten. Eben um orientierende Vorstellungen, was der Mensch zum guten Leben unter gerechten Bedingungen braucht und wie die zu konkretisieren wären.

Religionen vermitteln verlässlich orientierenden Vorstellungen vom Guten und Gerechten; zum Beispiel und vor allem die jüdisch-christliche Tradition: Am Anfang der Geschichte Gottes mit den Menschen steht da die Befreiung, die neue Freiheit. Am Anfang stehen der Gott, der sein Volk befreit, und das Volk, das sich von Gott in die Freiheit führen lässt, auf sein Wort hin: „Es sprach der Herr: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid. Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinauszuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen …“ (Ex 3,7-8).

 

Auf Gottes Wort hin brach das Volk auf in die Freiheit. Ein riskanter Aufbruch, ein Aufbruch in eine neue, unsichere Zukunf, in eine Freiheit, mit der nicht leicht umzugehen ist, in die sich noch keiner geübt hat. Das Volk Israel stellt sich der neuen, riskanten Freiheit. Man geht den Weg in die Freiheit auf die Verheißung Gottes hin, der sich erklärt als der befreiende Gott. Das Volk Israel hat das erfahren: Man hält die geschenkte Freiheit nicht durch Freiheit beschneidende Sicherheiten, nicht durch Beobachten und Bewachen, nicht durch Kontrollieren und Reglementieren. Die Herrschaft der einen über die anderen führt nach Ägypten zurück, in die Sklaverei, in die Unfreiheit, in die Gottesferne. Es gibt einen anderen Weg. Gott hat ihn seinem Volk gewiesen – in den 10 Geboten des Alten Testamentes.

 

  • 10 Wegweisungen in ein freies Leben.

  • 10 Gebote, die Orientierung geben, wie in riskanten Zeiten die von Gott geschenkte Freiheit zu halten ist.

  • 10 Gebote, die Anweisung geben zum Schutz von 10 sensiblen Freiheitsräumen in 10 Situationen riskanter Freiheit.

Damals, vor 3.000 Jahren, nach dem Auszug aus Ägypten, in der Situation neuer unbekannter Freiheiten und ihrer Risiken für das kleine Volk Israel, das sich auf den Weg macht, das von Gott verheißene Leben in Freiheit zu leben.

Heute, in einer multioptionalen Gesellschaft, in der Situation immer größerer Freiheiten und ihrer Risiken für Organisationen, die sich auf den Weg machen, in allen Bereichen, in allen sozialen Systemen, im Privaten, im Sozialen, Wirtschaftlichen oder Politischen das von Gott geschenkte Leben in Freiheit zu leben.

Orientierung an den 10 Geboten

Die 10 Gebote des Alten Testamentes bieten

10 Wegweisungen in die Freiheit,
10 Weisungen, wie in riskanten Zeiten Freiheit zu erhalten ist,
10 Anweisungen zum Schutz von 10 sensiblen Freiheitsräumen.

1. Gebot: Du sollt neben mir keine anderen Götter haben.

Vor 3.000 Jahren, in der Situation neuer unbekannter Freiheiten und ihrer Risiken, bedeutete das: Wenn Israel andere Götter kennt, dann setzt es andere Erfahrungen neben die der Freiheit – und verspielt damit seine Freiheit.

Es geht um den Freiheitsraum: Identität

Heute, in einer Situation immer größerer Freiheiten und ihrer Risiken für Organisationen, heißt das:

Eine moralische Identität ist zu wählen und zu wahren, die die Kultur der Organisation identifizierbar, erkennbar und unterscheidbar macht. Strukturell (in den Regeln und Routinen der Organisation fest verankert) und habituell (in der Haltung der Beteiligten).

 

2. Gebot: Du sollst den Namen Deines Herrn nicht missbrauchen.

Vor 3.000 Jahren, in der Situation neuer unbekannter Freiheiten und ihrer Risiken, bedeutete das: Weil Gott definiert ist als der, der befreit, verbietet das Gebot alle denkbaren Pervertierungen der Freiheitsmacht – sonst verspielt es seine Freiheit.

Es geht um den Freiheitsraum: Integrität

Heute, in einer Situation immer größerer Freiheiten und ihrer Risiken für Organisationen, heißt das:

Eine Integrität ist zu wahren, die Vertrauen verdient, weil sie nach außen und nach innen für das gewählte moralische Programm (ein-) steht. Strukturell und habituell.

 

3. Gebot: Achte auf den Feiertag. Halte ihn heilig.

Vor 3.000 Jahren, in der Situation neuer unbekannter Freiheiten und ihrer Risiken, bedeutete das: Wenn Israel den Sabbat als Tag der Befreiung feiert und als Tag der Ruhe hält, stützt es Zeit- und Lebensordnung – und stärkt seine Freiheit.

Es geht um den Freiheitsraum: Heilige Zeit

Heute, in einer Situation immer größerer Freiheiten und ihrer Risiken für Organisationen, heißt das:

Eine „heilige“ Zeit als Zeit der individuellen und sozialen Ruhe ist herauszuschneiden aus dem Alltag – um eine Zeit- und Lebensordnung immer wieder neu zu finden und strukturell wie habituell zu gestalten.

 

4. Gebot: Ehre Deinen Vater und Deine Mutter.

Vor 3.000 Jahren, in der Situation neuer unbekannter Freiheiten und ihrer Risiken, bedeutete das: Wenn Israel solidarisch das (Über-) Leben derer sichert, die bisher das Überleben der Kinder gesichert hatten, jetzt aber auf sie angewiesen sind, sichert es seine eigene Nachhaltigkeit – und seine Freiheit.

Es geht um den Freiheitsraum: Generationensolidarität

Heute, in einer Situation immer größerer Freiheiten und ihrer Risiken für Organisationen, heißt das:

Die Freiheit der „Altersstufen“ ist sozial und wirtschaftlich zu schützen und strukturell und habituell zu fördern – um einer Kultur wegen, in der die Vorteile aller Altersstufen genutzt werden können.

 

5. Gebot: Du sollst nicht töten.

Vor 3.000 Jahren, in der Situation neuer unbekannter Freiheiten und ihrer Risiken, bedeutete das: Wenn Israel sich dem Schutz des Lebens verpflichtet, vor allen Handlungen schützt, die direkt oder indirekt das Leben anderer Menschen gefährden, schützt es damit seine Freiheit.

Es geht um den Freiheitsraum: Körperliches und geistiges Leben

Heute, in einer Situation immer größerer Freiheiten und ihrer Risiken für Organisationen, heißt das:

Das eigene körperliche und geistige Leben und das der Mitmenschen ist strukturell und habituell zu fördern und zu schützen – um so eine Kultur des Lebens zu fördern.

 

6. Gebot: Du sollst nicht die Ehe brechen.

Vor 3.000 Jahren, in der Situation neuer unbekannter Freiheiten und ihrer Risiken, bedeutete das: Wenn Israel das soziale Leben der Schwächeren schützt und deshalb gerade den Ehe-Vertragsbruch, der die materielle und soziale Sicherheit von Frauen ruiniert, sanktioniert, dann schützt es seine Freiheit.

Es geht um den Freiheitsraum: Verlässliche Vereinbarung

Heute, in einer Situation immer größerer Freiheiten und ihrer Risiken für Organisationen, heißt das:

Partnerschaftliche Verhältnisse und entsprechende Vereinbarungen sind zu achten, Angst und Misstrauen zu vermeiden – um so strukturell und habituell eine Vertrauenskultur aufzubauen.

 

7. Gebot: Du sollst nicht stehlen.

Vor 3.000 Jahren, in der Situation neuer unbekannter Freiheiten und ihrer Risiken, bedeutete das: Wenn Israel das persönliche Eigentum des Einzelnen sichert und alle Handlungen unterbindet, die das Eigentum des Anderen als dessen materielle Grundlage der Freiheit gefährden könnten, schützt es seine Freiheit.

Es geht um den Freiheitsraum: Eigentum

Heute, in einer Situation immer größerer Freiheiten und ihrer Risiken für Organisationen, heißt das:

Die für den Menschen freiheitsnotwendige wirtschaftliche Lebensgrundlage, die eigene wie die der anderen, ist strukturell und habituell zu fördern und zu schützen.

 

8. Gebot: Du sollst nicht falsches Zeugnis reden?

Vor 3.000 Jahren, in der Situation neuer unbekannter Freiheiten und ihrer Risiken, bedeutete das: Wenn Israel zulässt, dass die Freiheit des Einzelnen gefährdet wird durch falsche Aussagen vor Gericht, die Besitz, Leib und Leben gefährden, dann verspielt es damit seine Freiheit.

Es geht um den Freiheitsraum: Kommunikation

Heute, in einer Situation immer größerer Freiheiten und ihrer Risiken für Organisationen, heißt das:

Das Recht auf und die Verpflichtung zur Kommunikation und Information ist zu achten, um so, strukturell und habituell, eine Wahrhaftigkeit in der Kommunikation und Information zu wahren, die Verlässlichkeit und Vertrauen fördert.

 

9. Gebot: Du sollst nicht nach dem Haus Deines Nächsten verlangen.

Vor 3.000 Jahren, in der Situation neuer unbekannter Freiheiten und ihrer Risiken, bedeutete das: Der soziale Raum, die soziale Gemeinschaft ist eine Lebensgrundlage. Wenn Israel zulässt, dass der verletzt wird, verliert es seine Freiheit.

Es geht um den Freiheitsraum: Soziale Gemeinschaft

Heute, in einer Situation immer größerer Freiheiten und ihrer Risiken für Organisationen, heißt das:

Das „ganze Haus“, d.h. die Organisation und ihr soziales Umfeld, ist strukturell und habituell vor Machenschaften zu schützen, die belastend und zerstörend wirken.

 

10. Gebot: Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen.

Vor 3.000 Jahren, in der Situation neuer unbekannter Freiheiten und ihrer Risiken, bedeutete das: Der private Raum ist eine Lebengrundlage für Menschen. Wenn Israel zulässt, dass der verletzt wird, verliert es seine Freiheit.

Es geht um den Freiheitsraum: Intime Gemeinschaft

Heute, in einer Situation immer größerer Freiheiten und ihrer Risiken für Organisationen, heißt das:

Die intimen Beziehungen jedes Menschen sind zu achten und entsprechend strukturell und habituell vor Machenschaften zu schützen, die zerstörend wirken.

Die Entscheidung für eine Orientierung an Werten und auch für entsprechende strukturelle (in den organisationalen Regeln und Routinen verankerte) und habituelle (in der Haltung der Beteiligten liegende) Konsequenzen werden in einer Organisation, einem Wirtschaftsunternehmen oder einer sozialen Einrichtung, „oben“ getroffen, dort, wo geleitet wird. Sie kommen unten nur an, wenn sie praxisrelevant durchbuchstabiert werden.

Eine normative Entscheidung für die 10 Gebote und entsprechende strategische Entscheidungen zum Schutz der sensiblen Freiheitsräume brauchen praktische Konsequenzen. Auf der operativen Ebene, im Alltagsgeschäft. „Was geht dann in dieser konkreten Situation, in diesem konkreten Verfahren?“ „Und was geht nicht?“

Mit der Frage, was entsprechend an Verfahren in der konkreten Organisation „geht oder nicht geht“, wird sich jede Organisation beschäftigen müssen. Nur so wird sichergestellt, dass die Gebote tatsächlich in die Strukturen und in das Handeln der Organisation verlässlich und nachhaltig integriert werden.